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„Klimaschutz muss im Kopf stattfinden“

30.07.2020 Günther Christl ist seit 1. Juli als Klimaschutzmanager bei der Hochbauverwaltung für die Liegenschaften des Landkreises zuständig

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Günther Christl arbeitet seit 1. Juli 2020 als Klimaschutzmanager bei der Hochbauverwaltung des Landkreises Straubing-Bogen. Die neu geschaffene Stelle wird aus Fördermitteln finanziert und soll dabei helfen, die Liegenschaften des Landkreises nach energetischen Gesichtspunkten auszurichten und zu optimieren.

 

Herr Christl, erklären Sie uns doch vielleicht kurz Ihren Werdegang?

Günther Christl: „Begonnen habe ich meinen beruflichen Werdegang mit einer Ausbildung zum Bauzeichner im ortsansässigen Architekturbüro meiner Heimatgemeinde Straßkirchen. Zwei Jahre lange konnte ich dort auch Erfahrungen als Bauzeichner sammeln. Im Anschluss besuchte ich die Berufsoberschule Deggendorf und absolvierte das Fachabitur mit anschließendem Studium an der FH Deggendorf zum Diplom Bauingenieur. Im Rahmen meines Studiums habe ich mir zudem Kenntnisse in energieeffizienter Holzbauweise angeeignet und meine Abschlussarbeit über Passivhausbauweise geschrieben. Weitere Erfahrungen im Bereich energieeffizienten Bauens konnte ich mir im Holzbaubetrieb aneignen, wo ich letztlich die Weiterbildung zum Gebäudeenergieberater machen durfte. Die letzten elf Jahre war ich bei der Stadt Dingolfing in der Abteilung Hochbau als technischer Sachbearbeiter und Stellvertreter für die Hochbauabteilung tätig.“

Was hat Sie nun gerade an dieser Stelle als Klimaschutzmanager gereizt?

Christl: "Das Bauwesen ist eine Branche, die sich stets im Wandel befindet und gerade in heutiger Zeit viele innovative Entwicklungen im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz bereithält. Gerade das hat mich bereits seit meinem Studium immer wieder als gedanklicher Ansatz beschäftigt und später auch in der praktischen Umsetzung zu neuen Lösungswegen geführt. Die Möglichkeiten zur Energieeinsparung und Treibhausgasreduktion - gerade bei den Liegenschaften im Bestand des Landkreises Straubing-Bogen - wurden in den letzten Jahren bereits sehr um- und weitsichtig genutzt. Jedoch gibt es immer noch Stellschrauben, an denen man drehen kann.“

 

Erklären Sie doch Ihr genaues Tätigkeitsfeld. Denn dieses ist ja relativ klar umrissen und eingegrenzt – so sind die Vorgaben aus dem Förderprogramm.

Christl: „Die Kernaufgabe in den nächsten Monaten wird sein, ein Klimaschutzkonzept für die landkreiseigenen Liegenschaften zu erstellen und auszuarbeiten. Explizit wird sich das so darstellen, dass die einzelnen Gebäude näher unter die Lupe genommen und Gebäudehülle, Anlagentechnik und Verbräuche bilanziert werden. Aus dem Ergebnis lassen sich Verbesserungsmöglichkeiten und Maßnahmenvarianten erarbeiten, die kurz-, mittel- und langfristig zur Energie- und CO2-Einsparung beitragen sollen. Auch die Einführung eines Gebäudemanagementsystems, d.h. die einzelnen Gebäude in ihren Verbräuchen digital zu erfassen, zu überwachen und bei Bedarf einzugreifen, ist Teil des Förderprogramms. Die Ergebnisse werden natürlich auch präsentiert und vorgestellt, um langfristige Investitionen zielgerecht zu steuern.“

 

Nach vier Wochen Einarbeitung ist natürlich noch vieles neu. Aber haben Sie sich trotzdem schon einmal einen Überblick über die Liegenschaften des Landkreises machen können?

Christl: „Ich konnte mittlerweile einen Großteil der Liegenschaften vor Ort besichtigten und mir einen groben Überblick über den Gebäudebestand verschaffen. Auch im Gespräch mit den Nutzern und Gebäudebetreuern vor Ort wurden erste Anregungen in Bezug auf mögliche Energieeinsparung an mich herangetragen und diskutiert. Da sich zum Beispiel Schulen weitaus komplexer in der Betrachtung erweisen und auch einer weitsichtigen Planung bedürfen, wird deren Bestandsaufnahme jedoch mehr Zeit in Anspruch nehmen. Und dieser Aufgabe werde ich mich auch umsichtig widmen.

 

Und wo sehen sie Ansatzpunkte für Verbesserungen? Haben Sie schon konkrete Projekte in Planung oder im Kopf?

Christl: „Durch den Kontakt mit den Nutzern der Liegenschaften haben sich bereits  erste  Ansatzpunkte ergeben, die durchaus kurzfristig und mit wenig Aufwand Energieeinsparungen im Bestand ermöglichen und dadurch Treibhausgasemission reduzieren. Gerade die Gebäude, die in den letzten Jahren im Hinblick auf energetische Sanierung noch nicht genauer auf dem Prüfstand waren, bieten enormes Potential, vor allem an der Gebäudehülle und Anlagentechnik sowie im Hinblick auf die Beleuchtung.“

 

Lassen sich Maßnahmen an kommunalen Gebäuden auch übertragen für Privathaushalte? Oder anders gesagt: was kann jeder für sich zu Hause in diesem Bereich machen?

Christl: „Gerade energetische Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle und an der Anlagentechnik sind vergleichbar und natürlich auch auf private Haushalte übertragbar. Die Heizung verbraucht im Haushalt am meisten Energie und verursacht damit mit Abstand am meisten CO2-Ausstoß. Durch das Wechseln der Heizungsanlage kann der Energieverbrauch deutlich gesenkt werden – zum Beispiel mit einem energieeffizienteren Heizkessel oder dem Umstieg auf eine Heizung, die auf erneuerbare Energien zurückgreift. Das ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern kann auch Heizkosten sparen. Auch mit organisatorischen Maßnahmen, wie zum Beispiel beim Lüften die Heizkörperthermostate zuzudrehen, können bis zu fünf Prozent Energiekosten eingespart werden. Dies ist eine Möglichkeit, die sich ohne größere Umbaumaßnahmen sehr schnell, sowohl bei privaten Haushalten als auch bei kommunalen Gebäuden, im Geldbeutel bemerkbar macht. Alleine die Tatsache, dass man durch die Absenkung von einem Grad Raumtemperatur etwa fünf bis sechs Prozent Energie sparen kann, verkennen viele.“

 

Gemeinhin steckt man sich ja Ziele, wenn man ein neues Berufsfeld oder ein neues Projekt beginnt. Haben Sie bestimmte Eckpfeiler, die Ihnen wichtig sind?

Christl: „Klimaschutz muss im Kopf stattfinden und nicht nur auf Basis von Wirtschaftlichkeitsrechnungen und Förderungen. Sicher müssen sich energetische Sanierungsmaßnahmen rechnen und das soll auch im Blick behalten werden. Dabei wird mir aber immer am Herzen liegen, die nachhaltige und klimafreundliche Gebäudesanierung der Liegenschaften des Landkreises voranzutreiben.“

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