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Schwangerschaft und Alkohol - das eine Glas zu viel?

30.03.2017 Fachtagung im Landratsamt Straubing-Bogen zum Thema „Fetale Alkohol-Spektrumstörung“

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Dem Fachteam der Schwangerenberatungsstelle am Landratsamt Straubing-Bogen ist es in Kooperation mit dem Kolleginnen der Koordinierenden Kinderschutzstellen (KoKi) gelungen, eine namhafte Referentin zu einem gemeinsamen Netzwerktreffen einzuladen. Frau Maria-Luise Bachl, Sozialpädagogin am Gesundheitsamt hatte Fr. Dr. Gisela Bolbacher vom FASD-Netzwerk Nordbayern auf einer Fachtagung kennen gelernt und den Kontakt hergestellt. Alleine in Deutschland sind rund 10.000 Kinder pro Jahr während der Schwangerschaft dem Kontakt mit Alkohol ausgesetzt. „Das Gläschen Alkohol schadet doch nicht“, ist eine oft gehörte Aussage, so die Erfahrung von vielen.

Folgen des Konsums kann aber die schwerwiegende Störung FASD (=Fetal Alcohol Spectrum Disorders) sein. Jeder Schluck Alkohol kommt durch die Nabelschnur direkt zum Baby, welches sofort  die gleichen Promillewerte wie seine Mutter hat. Zusätzlich nimmt es über viele Stunden das ebenfalls alkoholhaltige Fruchtwasser zu sich. Die Leber kann den Alkohol noch nicht ausreichend abbauen, deshalb bleibt es 10x länger alkoholisiert als seine Mutter. Wichtig dabei ist, es gibt keine Untergrenze an Alkohol, die sicher unbedenklich ist!

Frau Dr. Bolbacher gelang es in einem spannenden, lebensnahen Vortrag anhand von zahlreichen Beispielen aus ihrem persönlichen Alltag mit zwei Pflegekindern, die von dieser Behinderung betroffen sind, ihre Zuhörerinnen für das Thema zu sensibilisieren.

Anhand von Zahlen wird deutlich, dass hier Aufklärungsbedarf besteht. In Deutschland wird ungefähr jede Stunde ein Kind mit FASD geboren. Das heißt, mindestens jedes 100. Neugeborene ist betroffen von dieser Behinderung. Anscheinend wissen viele Schwangere nicht, dass jeder Schluck Alkohol – egal zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft – für das Kind ein Risiko bedeutet. Nur zwei von zehn Frauen trinken gar keinen Alkohol in der Schwangerschaft.

Die Referentin stellte die Arbeit des FASD-Netzwerkes vor, das 2010 in Nordbayern gegründet wurde. Es vereint derzeit 15 Organisationen und Institutionen vor Ort. Das Anliegen des Netzwerkes ist vor allem die Prävention durch Vorträge und die Aufklärung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen (zum Großteil in Schulen) über FASD. Die Referentin betont, dass die Störungen - meist sehr unterschiedlich ausgeprägt - zu 100 Prozent vermeidbar sind. Daher ist die Aufklärungsarbeit ein sehr wichtiges Instrument. Zusätzlich setzen sich die Verantwortlichen für eine bessere Diagnostik und Beratung der betroffenen Familien ein. Diese erleben oftmals ein Leben voller Probleme, Risiken und Einschränkungen.

Frau Dr. Bolbecher erläutert sehr anschaulich, wie den betroffenen Kindern und später Erwachsenen trotz größter Anstrengung Vieles nicht gelingt, was die meisten von uns für ihr selbständiges Leben und den Umgang mit anderen schon als Kind und Jugendlicher lernen. Mühsam Erlerntes muss täglich neu geübt werden, weil es immer wieder vergessen wird, da die Störungen nicht korrigierbar sind.

Für die Präventionsarbeit an Schulen, aber auch an den Beratungsstellen, stellte die Referentin die sogenannte „FASI-Puppe“ vor, die einen Säugling darstellt, der die Merkmale eines ausgeprägten FASD-Vollbildes aufweist. Zusätzlich gibt es viele Materialien, Filme und Aufklärungsbroschüren, die Frau Dr. Bolbecher für die Arbeit empfehlen kann. Auch eine Ausstellung, namens „Zero“ wurde entwickelt, um in Form einer begehbaren Gebärmutter die Öffentlichkeit sehr plastisch mit dem Thema vertraut zu machen.

In der abschließenden Diskussion waren sich alle darüber einig, dass dieses Thema verstärkt in der zukünftigen täglichen Arbeit der Beraterinnen, Hebammen und Lehrerinnen einen hohen Stellenwert finden muss, um über diese vermeidbaren Behinderungen zu informieren.

Das Foto zeigt Frau Dr. Gisela Bolbecher vom FASD-Netzwerk Nordbayern.

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