Ansicht des Landratsamtes mit Schriftzug und Treppe

Apfel des Jahres 2010 ist ein „Prinz“

Obstkenner beraten sich im Landratsamt
Am Freitag lud Landrat Alfred Reisinger Vorstandsmitglieder des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege, Pomologen und Kreisfachberater Niedernhuber zu einer außergewöhnlichen Aktion in den kleinen Sitzungssaal des Landratsamtes Straubing-Bogen ein. Die geladenen Obstkenner hatten die Aufgabe, für den Landkreis den „Apfel des Jahres 2010“ zu benennen.
 
Dabei waren die Ansprüche an ihn vielfältigster Natur. Es musste sich um eine einheimische Sorte handeln, die auch in unserer Region gut gedeiht. Die Verträglichkeit von rauen Standorten ist dabei genau so wichtig wie die Unempfindlichkeit vor Witterungseinflüssen. Wichtigstes Kriterium für die Wahl des Apfels des Jahres war jedoch der hervorragende Geschmack und die gute Verwertbarkeit der Früchte. Da diese Kriterien durchaus einige Apfelsorten erfüllten und die Geschmäcker bekannterweise unterschiedlich sind, war die Wahl nicht ganz einfach.
 
Schließlich einigte sich die Jury auf den Prinzenapfel, der im nördlichen Landkreis auch als Langhans bekannt ist. Dabei handelt es sich um eine sehr alte deutsche Sorte, die 1802 erstmals vom Pomologen Christ erwähnt wurde aber bereits viel älter ist. Besonders im 19. Jahrhundert erlangte die Sorte an großer Bedeutung und verdient aufgrund ihrer Qualität noch heute große Beachtung. Der Prinzenapfel ist ein sehr guter Tafel- und Wirtschaftsapfel, der auch gerne zum Dörren verwendet wird. Der Geruch der Früchte erinnert deutlich an Ananas, was der Sorte auch den Beinamen Ananasapfel verleiht. Das feine und saftige Fruchtfleisch mit angenehmer Säure weist eine feine Würze auf, die den Geschmack des Prinzenapfels unverwechselbar macht, wie der Leiter des Arbeitskreises Pomologie, Hans Aumer bestätigte.
 
Seit 2008 wird im Landkreis Straubing-Bogen jährlich der Apfel des Jahres gekürt. Landrat Alfred Reisinger geht es dabei darum, das Bewusstsein für die Wertigkeit der Bäume unserer Heimat zu wecken. Er erinnerte an die Millenniumsbäume aus dem Jahr 2000, wo im gesamten Landkreis 2000 Obstbäume gepflanzt wurden, die heute einen reichlichen Ertrag an Früchten bringen. Schon diese Aktion zeigte die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege mit dem Landkreis Straubing-Bogen, so die Kreisvorsitzende Andrea Völkl. Auch bei verschiedenen Maßnahmen im Kreisobstlehrgarten Neukirchen stand und stehe der Landkreis dem Verband stets wohlwollend zur Seite. Landrat Reisinger erwähnte auch das neue Baumschutzkonzept des Landkreises, welches Ausgleichspflanzungen auf landkreiseigenen Flächen für verkehrsgefährdende Bäume an Kreisstraßen vorsieht. 
 
In der Aktion „Apfel des Jahres“ sehen Landrat Reisinger und Vorsitzende Völkl einen weiteren Schritt in der langen Reihe des fruchtbaren Zusammenwirkens. Auch sei es eine gute Möglichkeit, wirklich empfehlenswerte Obstsorten herauszustellen und zugleich einen Baum dieser Sorte bei jedem Obst- und Gartenbauverein zu pflanzen. Wie Pomologe Hans Aumer und Kreisverbandsehrenvorsitzender Hans Gegenfurtner berichten konnten, entstehen durch die Pflanzung neuer Obstbäume immer mehr Streuobstwiesen, die einen großen Wert für den Naturschutz aufweisen. Außerdem würden sich neue Pressevereinigungen für die Verwertung der Äpfel gründen. Zudem fördere die Aktion die Wertigkeit der einheimischen Apfelsorten, die ohne große Transportkosten und mit geringerem Energieaufwand beim Verbraucher auf den Tisch kämen. Nicht zu unterschätzen sei laut Hans Aumer auch die Bedeutung von Äpfeln als natürliche Apotheke. Äpfel regen die Verdauung und die Darmflora an, stärken die natürlichen Abwehrkräfte und spenden wertvolle Vitamine und Mineralien. 
 
Speziell zum Prinzenapfel konnte der Kreisfachberater für Gartenbau Hans Niedernhuber ausführen, dass der Baum feuchten und nahrhaften Boden verlange und noch in Höhen bis zu 800 Metern gedeiht. Folglich verträgt der Prinzenapfel auch raue Standorte. Der Ertrag der Bäume setzt früh ein und ist regelmäßig. Die Bäume können sehr alt werden, sodass Apfelfreunde lange ihre Freude und ihren Genuss am köstlichen Prinzenapfel haben können.
Abschließend bedankte sich Landrat Reisinger bei den Jurymitgliedern und kündigte bereits eine Fortsetzung der Aktion im kommenden Jahr an.