Ansicht des Landratsamtes mit Schriftzug und Treppe

Geschwindigkeitsunfälle im Landkreis

Unfallursache Nummer eins

Mehr Rücksicht im Straßenverkehr gefordert

 

 

Die Entwicklung der Unfallzahlen im vergangenen Jahr, Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit auf Bundes-, Staats- u. Kreisstraßen sowie die Schulwegsicherheit waren Themen bei der letzten Sitzung des Verkehrssicherheitskreises im Landratsamt. Das Gremium, bestehend aus Fachleuten von Polizei, Landratsamt, Straßenbau, Schulamt, Verkehrswacht, Fahrlehrer, Motorsportclub und TÜV, berät über Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit auf den überörtlichen Straßen im Landkreis.

 

Landrat Alfred Reisinger ging in seiner Begrüßung auf das neue Verkehrssicherheitsprogramm 2020 des Freistaats Bayern ein, dessen Ziele teilweise sehr ambitioniert sind und Anstrengungen aller Beteiligten erfordern. „Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer sind hier gefragt, damit Unfälle im Straßenverkehr vermieden werden können“, so der Landrat. Bezug nehmend auf die Lärmproblematik von Motorradfahrern an schönen Wochenenden sieht der Landrat den Gesetzgeber in der Pflicht: „Hier müssen die gesetzlichen Zulassungsbestimmungen dringend geändert werden. Es darf gar nicht so weit kommen, dass Motorräder lärmend und damit störend betrieben werden können.“

 

Insgesamt haben sich im Landkreis Straubing-Bogen im vergangenen Jahr 2.709 Verkehrsunfälle (2.497 im Vorjahr) ereignet, wie der Verkehrssachbearbeiter der Polizei, Polizeihauptkommissar Dieter Kluske darlegte. Ein Plus von über 8 Prozent. Dabei wurden 15 Personen getötet (10 im Vorjahr). Besonders schwerwiegend war der Unfall auf der B20 im Juni 2012, wo alleine 4 Menschenleben zu beklagen waren. Besser sieht es bei der Anzahl an verletzten Personen aus, die rückläufig sind. Im Jahr 2012 wurden bei Unfällen 451 Personen leicht (im Vorjahr 462) und 123 Personen schwer (im Vorjahr 124) verletzt. Eine Zunahme weist die Statistik bei den Wildunfällen aus, die im vergangenen Jahr von 1.010 (2011) auf 1.136 angestiegen sind.

 

Als „besorgniserregend“ bezeichnete Kluske die Entwicklung bei den Geschwindigkeitsunfällen. Nach einem Rückgang auf 141 im Jahr 2011 stieg die Zahl im vergangenen Jahr um 35 Prozent auf 191 Unfälle. Dabei wurden 2 Personen (wie 2011) getötet und 95 (107 im Jahr 2011) verletzt. „Hier werden wir einen Schwerpunkt unserer polizeilichen Arbeit setzen und ständige, flächendeckende Kontrollen durchführen“. Erfreulich sei dagegen der Rückgang bei den Alkoholunfällen von 46 auf 34. „Offenbar haben die verstärkten Alkoholkontrollen ihre Wirkung nicht verfehlt“, zeigte sich Kluske zufrieden.

 

Ein Hauptaugenmerk richtet die Polizei auf die Risikogruppe der „Jungen Erwachsenen“ zwischen 18 und 24 Jahre. Die Unfallzahlen sind hier von 265 auf 258 leicht zurückgegangen. Positiv bei dieser Altersgruppe sei die Tatsache, dass kein Toter (4 im Jahr 2011) zu beklagen war. Bei den Senioren (über 65 Jahre) gab es einen Rückgang der Unfallzahlen um rund 14 Prozent auf 119 (139 im Jahr 2011). Leider wurden dabei 3 Personen getötet (einer 2011) und 48 verletzt (44 im Jahr 2011).

 

Nach wie vor im Fokus der Sicherheitskräfte steht die Gruppe der Motorradfahrer. Hier konnte Kluske berichten, dass zwar die Unfallzahlen von 77 auf 70 im vergangenen Jahr gesunken sind, dies aber immerhin noch der zweithöchste Wert der letzten 10 Jahre ist. 4 Biker wurden dabei getötet (wie 2011) und 64 verletzt (75 im Vorjahr). Jeder vierte Verkehrstote im Landkreis ist damit ein Motorradfahrer. In 63 Prozent aller Unfälle, bei denen ein Motorradfahrer beteiligt war, war dieser auch der Verursacher. Für die bevorstehende Motorradsaison appellierte Kluske an die Motorradfahrer, sich entsprechend vorzubereiten und die Fahrweise den Straßenverhältnissen anzupassen.

 

Um die Straßen sicherer zu machen, werden jedes Jahr verschiedene Maßnahmen in die Tat umgesetzt. Verkehrssicherheitsbeauftragter Franz Beyerl vom Landratsamt konnte berichten, dass Unfallschwerpunkt Nummer 1 im Landkreis Straubing-Bogen die B20 bei Aiterhofen ist. Dort wurden in den Jahren 2009-2011 bei 17 Unfällen 3 Menschen getötet, 6 schwer- und 10 leichtverletzt. Um das Unfallrisiko dort zu senken, wurden die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 70 km/h reduziert und größere Trägertafeln aufgestellt. „Hier wird aber nur der vierstreifige Ausbau der B20 eine dauerhafte Lösung sein“, so Beyerl. Landrat Alfred Reisinger wies darauf hin, dass er sich diesbezüglich bereits an die zuständigen Ministerien gewandt hat, damit dieses Vorhaben in den Bundesverkehrswegeplan 2015 aufgenommen wird. Am zweiten großen Unfallschwerpunkt im Landkreis - der Hutterhofkreuzung bei Bogen - wurde Ende letzten Jahres eine Ampelanlage installiert. Diese Kreuzung ist bereits seit 2006 auffällig. In den Jahren 2009-2011 haben sich dort 16 Unfälle mit 3 Schwer- und 14 Leichtverletzten ereignet. Gleichzeitig errichtete das Staatliche Bauamt Passau dort einen Geh- und Radweg, so dass die Verkehrssicherheit an der Hutterhofkreuzung deutlich verbessert werden konnte.

 

Für das Kreisstraßennetz konnte Wolfgang Brandl, Leiter der Tiefbauverwaltung, berichten, dass die unfallträchtige „3-Birken-Kreuzung“ bei Loham umgebaut wurde. Durch eine neue Linienführung wurden die Vorfahrbeziehungen der einmündenden Straßen besser und übersichtlicher geregelt. Ein weiterer Unfallschwerpunkt ist die Freundorfer Kreuzung zwischen Bogen und Furth. Hierzu führte Brandl aus, dass die Kreuzung zu einem Kreisverkehr umgebaut wird. Die Umsetzung ist für das Jahr 2014 geplant. Eine weitere Verbesserung der Verkehrssicherheit bringt der gerade begonnene Umbau der Straubinger Straße (Kreisstraße SR3) in Bogen. Dort werden eine Querungshilfe für Radfahrer, ein beidseitiger Fahrradschutzstreifen und eine Bedarfsampel für Fußgänger errichtet.

 

Großen Raum in der Sitzung nahm auch das Thema Schulwegsicherheit ein. Im vergangenen Jahr, konnte Kluske berichten, haben sich 3 Unfälle mit 3 leichtverletzten Schülern (wie 2011) im Landkreis ereignet. Beyerl wies darauf hin, dass die beste Möglichkeit zur Sicherung der Schulwege der Einsatz von Schulweghelfer sei und darauf bei Verkehrsschauen immer wieder hingewiesen wird. Trotzdem ist die Gewinnung weiter Schulweghelfer mühsam. Landrat Reisinger zollte den 45 Schulweghelferinnen und –helfer im Landkreis hohen Respekt. „Diese Leute stehen bei jedem Wetter morgens und mittags an der Straße, um unseren Kindern ein sicheres Queren der Fahrbahn zu ermöglichen. Dieses Engagement ist großartig und verdient unseren Dank und Anerkennung“. Ein weiteres Problem, so Beyerl, ist das Verhalten der Schüler an Bushaltestellen, vor allem nach dem Aussteigen aus dem Bus. Die Schüler queren sofort die Fahrbahn, obwohl der Bus noch nicht abgefahren ist und können deshalb von Autofahrern leicht übersehen werden. In Niederbayern haben sich in den letzten Wochen 3 schwere Unfälle dieser Art mit schwerverletzten Kindern ereignet. Beyerl appellierte deshalb an die Kinder und deren Eltern „Niemals vor oder hinter dem haltenden Bus über die Straße zu laufen. Erst wenn der Bus die Haltestelle verlassen hat und die Straße frei ist, sollte die Straße überquert werden“. Bei diesem Thema wollen sich auch die Kreisverkehrswacht Straubing und die Gebietsverkehrswachten Bogen und Labertal mit ihrer Aufklärungsarbeit verstärkt einbringen. Abschließend wurde noch bekanntgegeben, dass im Jahr 2012 35 Führerscheine wegen Drogeneinfluss von der Führerscheinstelle eingezogen wurden. Der Konsum harter Drogen führt – auch ohne Führen eines Kraftfahrzeugs – zum Verlust der Fahreignung.