Ansicht des Landratsamtes mit Schriftzug und Treppe

Jäger wollen weniger Rehe schießen

Meinungsaustausch zwischen Jägerschaft und Unterer Jagdbehörde
 

Zu einem Meinungsaustausch mit der Unteren Jagdbehörde lud Landrat Alfred Reisinger die drei Vorsitzenden der Kreisgruppen Bogen, Mallersdorf und Straubing des Landesjagdverbandes Bayern, Josef Niemeier, Ludwig Krinner und Rolf-Dieter Pfeilschifter diese Woche ins Landratsamt ein. Neben der Schwarzwildproblematik und der derzeit laufenden Abschussplanung für Rehwild wurde insbesondere die aktuelle Berichterstattung über die Jägerschaft in den Medien diskutiert. Dabei war es allen Beteiligten ein Anliegen, die Bedeutung der Jagd für Natur- und Landschaftsschutz sowie für die Hege und Pflege der Wildbestände zu betonen.

Eingangs wurde die im Landkreis Straubing-Bogen vorherrschende Schwarzwildproblematik thematisiert. Nach dem Landkreis Kehlheim gäbe es im Landkreis Straubing-Bogen den größten Wildschweinbestand in Niederbayern, so der Leiter der Unteren Jagdbehörde Walter Bergmaier. Die Jägerschaft unternehme hier große Anstrengungen, um eine Zunahme der Wildschweinbestände und die damit verbundenen Wildschäden einzudämmen. Grundsätzlich müsse man für eine ordnungsgemäße und hygienische Entsorgung der Schlachtabfälle sorgen, betonte auch der Leiter der Veterinärabteilung Dr. Hermann Sturm. Hier appellierten die drei Kreisgruppenvorsitzenden an Landrat Reisinger, die Einrichtung zentraler Sammelstellen für Schwarzwild-Schlachtabfälle zu unterstützen.

 Im Rahmen der Diskussion über die aktuell zu erstellende Abschussplanung für Rehwild für die Jagdreviere im Landkreis betonten die drei Vertreter der Jägerschaft ausdrücklich, dass sie sich niedrigere Abschusszahlen für die kommende Periode wünschen. „Wir Jäger wollen weniger Rehe schießen“, so der einstimmige Tenor von Niemeier, Krinner und Pfeilschifter. In einzelnen Hegegemeinschaften könne man die Vorgaben gar nicht mehr erfüllen, da die Rehwildbestände schon sehr weit eingeschränkt seien. Daher könne man die immer wieder in der Öffentlichkeit geäußerte Meinung, Jäger seien schießwütige Zeitgenossen, die nur auf das Töten von Tieren aus sind, keinesfalls gelten lassen. Bei der Jagd stehen vielmehr der Gedanke der Hege und Pflege der Jagdbestände und der Erhalt der Artenvielfalt im Mittelpunkt. Die drei Vorsitzenden der Kreisgruppen beschrieben dabei das Spannungsfeld zwischen den Interessen der Land- und Forstwirtschaft auf der einen Seite und ihrem Bestreben nach einer fachgerechten Bestandspflege der Wildtiere auf der anderen Seite, in dem sich die Jägerschaft befinde. Durch gesetzliche Bestimmungen und die Vorgaben der Forstverwaltung zur Umsetzung des Vegetationsgutachtens würden die Jäger zu erhöhten Abschusszahlen gezwungen, um dem Grundsatz „Wald vor Wild“, der im Bayerischen Jagdgesetz verankert ist, gerecht zu werden. Dabei stellt sich auch die Frage, wer die Leistungen der Jägerschaft beispielsweise bei der Bekämpfung von Wildschäden übernehmen würde, wenn die Jagd nicht mehr attraktiv wäre. Letztendlich müsse dann wohl der Staat aus Steuermitteln für eine ordnungsgemäße Pflege der Wildbestände sorgen.

So leisten die Jäger auch beim Kampf gegen die Biberproblematik in Revieren, für die es eine Abschussgenehmigung gibt, ihren Beitrag. Allerdings wolle sich die Jägerschaft nicht alleine auf die Rolle von Schädlingsbekämpfern reduzieren lassen. „Wir wollen nicht nur Tiere abschießen, sondern dazu beitragen, die Artenvielfalt auf unseren Wiesen und Wäldern zu erhalten“ waren sich die drei Jagdvertreter einig. Kritisch sehe man in diesem Zusammenhang auch eine Aufweichung der Jagdzeiten beim Rehwild. Man müsse den Tieren auch ausreichend Zeiten für Ruhe und Rückzug einräumen.  

Für die Abschussplanung 2013 konnte der Leiter der Unteren Jagdbehörde Walter Bergmaier den Jägern defensivere Vorgaben durch die Jagdbehörde in Aussicht stellen. Voraussetzung sei jedoch, dass die Jagdgenossenschaften und der Jagdbeirat der Abschussplanung zustimmen.

Mit Interesse beobachten die Jäger auch die Entwicklungen durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zur Herausnahme von Jagdflächen. Danach können Grundstückseigentümer Jagdflächen aus ethischen Gründen aus der Jagd herausnehmen lassen. Eine entsprechende Änderung des Jagdgesetzes wurde vom Bundestag bereits beschlossen. Das Gesetz ist allerdings noch nicht in Kraft. Hier bleibt abzuwarten, wie viele Anträge auf Herausnahme von Jagdflächen es im Landkreis Straubing-Bogen tatsächlich geben wird und wie sich dies auf die Jagd auswirkt.

 Abschließend bedankte sich Landrat Alfred Reisinger bei den Kreisgruppen-Vorsitzenden Josef Niemeier, Ludwig Krinner und Rolf-Dieter Pfeilschifter für das offene Gespräch. Man nehme die Anregungen aus der Jägerschaft in der täglichen Arbeit der Unteren Jagdbehörde sehr ernst und versuche insbesondere bei der aktuell anstehenden Abschussplanung allen Interessen möglichst gerecht zu werden. Dabei verwiesen die drei Vorsitzenden auf die gute und einvernehmliche Zusammenarbeit mit der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt.