Museum Bogenberg
Drei Kinder beim Wandern in der Gegend von St. Englmar
Turnhalle Mallersdorf
Blick auf die Kirchen von Geiselhöring und Haindling bei Sonnuntergang im Gegenlicht
Gruppe beim Nordic Walking im Landkreis Straubing-Bogen
VHG in Bogen
Wasserskifahren auf der Donau
Gruppe von Kindern beim Radfahren
Kirche Hl. Kreuz
Paar beim Besuch des Kreismuseums auf dem Bogenberg

Archäologie

Archäologie im Landkreis Straubing-Bogen
 
Der Landkreis Straubing-Bogen ist – wie auch weite Teile Niederbayerns – seit dem 6. Jahrtausend v. Chr. begehrter Siedlungsraum. Viele Kulturen und Stämme nutzten vor allem die fruchtbaren Böden und fischreichen Gewässer im heutigen Gäuboden, im Labertal sowie entlang der Donau als Lebensgrundlage und ließen sich hier sesshaft nieder. Damit die Siedlungsspuren unserer Vor- und Frühgeschichte bei Baumaßnahmen nicht unwiederbringlich verloren gehen und gleichzeitig aber auch dem Wunsch des Bauherrn nach einer schnellen Verwirklichung seines Vorhabens entsprochen werden kann, richtete der Landkreis Straubing-Bogen am 1. Mai 1985 eine eigene kommunale Kreisarchäologie ein. Dienstsitz der Kreisarchäologie ist seit 1995 das Kulturforum in Oberalteich.
 
Die Kreisarchäologie bemüht sich vorrangig um zwei Ziele: eine Dienstleistung an die betroffenen Gemeinden und Bürger zu erbringen, um die mit dem Vollzug des Denkmalschutzgesetzes in der Archäologie verbunden Probleme aufzufangen bzw. abzumildern und gleichzeitig das Wissen über die frühe und zu allen Zeiten sehr bedeutende Geschichte unseres Raumes zu mehren und aufzuarbeiten.
 
Die Erforschung schriftloser oder schriftarmer Kulturen ist fast ausschließlich durch archäologische Methoden möglich. Dabei ist es außerordentlich wichtig, vollständige Zusammenhänge wie etwa Gebäude- oder Friedhofsstrukturen zu erkennen und die zugehörigen Funde wie Stein- oder Metallwerkzeuge bzw. -schmuck, Keramik und Tierknochen in den Grabungsbefunden mittels detaillierter Zeichnungen und Fotos festzuhalten. Aus den im Boden nach dem Humusabtrag erkennbaren Verfärbungen lassen sich Pfostenstandspuren von Holzgebäuden ebenso feststellen wie Siedlungsgruben unterschiedlichster Form und Funktion sowie Grabgruben. Diese Befunde werden zeichnerisch dokumentiert, wobei man sich heute in verstärktem Umfang elektronischer Messmethoden bedient. Anschließend erfolgt die Untersuchung der einzelnen Objekte nach bestimmten erprobten Verfahrensweisen.
 
Die so gesicherten Befunde werden anschließend zusammen mit dem geborgenen Fundmaterial wissenschaftlich bearbeitet. Dadurch ist es möglich, das Wissen um die frühe und früheste Geschichte unseres Raumes allmählich genauer zu erfahren. Die weit verbreitete irrige Meinung, man hätte ja schon so viel gefunden, dass eigentlich keine weiteren Grabungen mehr erforderlich seien, ist zurückzuweisen, weil trotz fast 150 Jahren archäologischer Forschung die Kenntnisse über schriftlose oder schriftarme Zeiten noch immer sehr bescheiden sind. Jede Ausgrabung erweitert unseren historischen Horizont, wenn es für außen Stehende auch oft den Anschein hat, aus den meist bescheidenen Befunden und Funden könne man kaum etwas heraus lesen. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass unser Boden ein gigantisches Archiv ist, das wir bewahren und erschließen müssen. Die von der archäologischen Denkmalpflege vorgenommenen Ausgrabungen sind in der Regel Rettungsaktionen vor der Vernichtung der im Boden bewahrten Zeugen unserer Vorfahren durch Baumaßnahmen. Reine Forschungsgrabungen werden meist von Forschungseinrichtungen vorgenommen, die die nötige Zeit dafür aufwenden können.
 
 
 
Jahrtausendealte Geschichte
 
 
Der heutige Landkreis Straubing-Bogen hat Anteil an drei völlig unterschiedlichen Naturräumen: dem kristallinen Mittelgebirge des Bayerischen Waldes im Nordosten, dem Donautal mit den begleitenden fruchtbaren Lößterrassen des Gäuboden in der Mitte und dem sanft gewellten tertiären Hügelland im Südwesten.
 
Seit wann diese Gegenden in der Altsteinzeit überhaupt von Menschen durchzogen wurden ist unbekannt. Die wenigen Steinwerkzeuge die frühe Jäger hinterlassen haben und durch Zufall wieder entdeckt wurden, stammen von Zeitgenossen des Neandertalers aus unvorstellbar fernen Zeiten und sind etwa 25-50.000 Jahre alt.
 
Menschheitsgeschichte wird in Niederbayern erst mit dem Beginn der Jungsteinzeit vor fast 8000 Jahren nachvollziehbar. Längst sind es nicht mehr einzelne Funde für sich, die es aufzuzählen gilt. Das Geschichtswissen stützt sich inzwischen auf eine Vielzahl von einzelnen Funden und Ausgrabungsbefunden, die wie die Steine eines Mosaiks ein Bild menschlichen Lebens und Wirkens während der unterschiedlichsten Zeitabschnitte der Vorgeschichte entstehen lassen. Dabei kann manches aus überregionalem Wissen ergänzt und in unseren Raum übertragen werden, anderes ist über die Landkreisgrenzen hinaus von großer Bedeutung. Der Landkreis trägt seiner Verantwortung für die Denkmäler der Geschichte seit längerem mit der Einrichtung einer eigenen Kreisarchäologie Rechnung.
 
Die ersten, die sich dauerhaft im damals noch bewaldeten Gäuboden niederließen, waren Bauern. Das Wissen um Ackerbau und Viehzucht kam wie das Getreide aus dem Südosten Europas die Donau aufwärts. Bald entstanden auch in den Fluß- und Bachtälern des Hügellandes bis in die hintersten Winkel kleine Gehöfte und Dörfer aus großen Langhäusern. Am Anfang der bäuerlichen Kultur, zu Beginn der Jungsteinzeit, gab es eine für ganz Mitteleuropa einheitliche Architektur. Der Landkreis Straubing-Bogen hat für die Landesgartenschau 1989 in Straubing so ein mehr als 7000 Jahre altes Gehöft nach Ausgrabungsbefund rekonstruiert. Gegen Ende des 5. Jahrtausends vor Christus verschwinden die großen Bauten.
Topfe aus der Steinzeit Erneut sind es kulturelle Einflüsse aus dem Südosten. Die Herstellung von Tongefäßen erreicht in Form, Verzierung und Technik einen Höchststand. Weil frühe Funde durch die Umsicht eines Gutsbesitzers in sachkundige Hände gelangten, gab ein Fundort aus dem Landkreis dieser Stufe der mittleren Jungsteinzeit für ganz Bayern den Namen: Münchshöfener Kultur. Es folgen Zeiten, von denen weder die Form der Häuser noch die Gräber bekannt sind, nur die Scherben des wenig ansprechenden Geschirrs und die steinernen Werkzeuge sind geblieben.
Der Bayerische Wald bleibt zunächst für die Bauern als Siedlungsraum unattraktiv. Erst für die späte Jungsteinzeit läßt sich der Beleg einer spärlichen Nutzung führen. In dieser Zeit kommt mit Kupfer auch erstmals Metall in Gebrauch, dazu Gold und am Ende des 3. Jahrtausends v.Chr. Bronze für Schmuck, Waffen und Werkzeuge. Metallbesitz bedeutete Reichtum und Macht, ausgeprägte soziale Unterschiede werden in den Gräbern sichtbar. "Mächtige" setzen sich ab. Einem der Bronzezeitfürsten gelingt es auf dem Gipfel des Bogenberges einen mit Wall und in den Fels gehauenen Graben umgebenen Wohnsitz zu errichten. Von anderen künden heute noch erhaltene Grabhügel in den Wäldern des Hügellandes.
 
Im 8. Jahrhundert v.Chr. wird die Verarbeitung von Eisen zur modernsten Technologie. Neue Machtstrukturen entstehen. Reiche Großbauern leisten sich Gutshöfe, deren Spuren sich im Boden von Gäu und Hügelland allenthalben nachweisen lassen, häufig aus der Luft entdeckt: große viereckige Hofanlagen von metertiefen Gräben eingefaßt. Ihre einstigen Bewohner ruhen unter großen Grabhügeln, in ganzen Friedhöfen, die mehr und mehr in den Flußauen entdeckt werden.
 
Aus dieser eisenzeitlichen Gesellschaft entwickelt sich im 5. Jahrhundert v.Chr. die erste Kultur, von deren Trägern wir, auf dem Umweg über den griechischen Geschichtsschreiber Herodot, den Namen wissen: die Kelten. Sie bestimmen bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts vor Christi Geburt das Geschehen in unserem Land. Neben Funden und Befunden aus Siedlungen und Gräbern haben sie vor allem ihre heiligen Bezirke hinterlassen. Als "Viereckschanzen" haben sich einige bis heute im Schutz der Wälder erhalten, die bedeutendsten bei Geiselhöring.
 
Die keltische Zivilisation geht unter nicht geklärten Umständen zu Grunde, noch ehe die Römer, wenige Jahre vor Christi Geburt, das Alpenvorland besetzen. Für fast fünf Jahrhunderte wird die Donau zur Grenze gegen das freie Germanien. Der heutige südliche Landkreis war Bestandteil der Provinz Raetien. Neben dem großen Legionslager in Regensburg entstanden entlang der Donau Kastelle, stark befestigte Militärstützpunkte und Kasernen. Bald werden steinerne Mauern errichtet. Aus dem römischen Kastell "Sorviodurum" am Südufer der Donau unterhalb der Mündung des Allachbaches wird später der Name für Stadt und Kreis Straubing abgeleitet. Um das Kastell und weit hinein ins Hinterland wachsen Gutshöfe mit repräsentativen Gebäuden aus dem ertragreichen Boden. Stein und Ziegel werden zum bevorzugten Baumaterial, wo man vorher nur Holz kannte. Befestigte Straßensysteme durchzogen das Land.
 
Nicht zufällig legten die Römer ihr Kastell dort an, wo die uralte Wegetrasse von Böhmen her über die Furth-Chamer-Senke und den Stallwanger Sattel nach Süden ins Donautal mündet. Sie wird heute noch von der Bundesstraße 20 genutzt. Über diesen Weg gelangten schon in spätrömischer Zeit Germanen aus Südböhmen in das römische Vorland. Sie ließen sich auf dem Landstreifen zwischen Donau und Wald nieder, wo ihre Siedlungen und Friedhöfe nachgewiesen sind. Sie bildeten in unserem Raum, nach dem Zusammenbruch der römischen Militärmacht im 5. Jahrhundert, einen Bestandteil des Völkergemisches, aus dem Jahrzehnte später allmählich ein neues Staatsgebilde wird und ein Volk, das sich Bajuwaren nennt.
 
Erst im 8. Jahrhundert nach Christus, nach über 6 Jahrtausenden dauerhafter Besiedlung, wird Geschichtsschreibung im Landkreis mit Hilfe spärlicher schriftlicher Quellen möglich. Einem Besitzverzeichnis des Klosters Niederaltaich verdanken einige Orte ihre "erst urkundliche Nennung", die in die Jahre um 740 zurückdatiert werden kann. Schriftliche und archäologische Nachweise frühester Ortskirchen weisen in diese Zeit.
Pfarrkirche in Westen Ein Ereignis aus der geschriebenen Biographie des Hl. Willibald fand im Sommer 740 in "linthart" (Ober- oder Niederlindhart) statt. Dort trafen sich Bonifatius und Willibald mit Suidger, einem der mächtigsten des damaligen Bayern auf dem Besitz eines Ortsadeligen. Willibald erhält dort den Auftrag ein Kloster in Eichstätt zu gründen, aus dem das spätere Bistum erwuchs. Möglicherweise wird zu dieser Zeit auch in (Pfaff-)Münster am Fuß des Bayerischen Waldes ein erstes Kloster erbaut. Der unwirtliche Bayerische Wald ist der letzte nicht erschlossene Raum. Rodung und Ausbau bedeuten Grunderwerb, Grund und Boden bedeuten Reichtum. Mangels schriftlicher Quellen für das 9. und 10. Jahrhundert bleibt unklar, wer auf dem Bogenberg eine erste Burg errichtet und dabei umfangreiche ältere Wallanlagen weiter benützt und ergänzt. (Foto: Pfarrkirche in Westen)
 
Erst im 11. Jahrhundert tauchen in den Quellen die "Grafen von Bogen" auf. Sie mehren ihren Besitz im Land südlich der Donau und besonders im Bayerischen Wald bis hinein nach Böhmen, gründen Klöster an der Donau (Oberaltaich) und im Vorwald (Windberg). Als Wappen führten sie die weißblauen Rauten. Die letzte Bogener Gräfin Ludmilla, eine böhmische Herzogstochter, heiratete 1204 in zweiter Ehe Ludwig den Kelheimer, einen Wittelsbacher. Den Wittelsbachern fällt 1242 nach dem kinderlosen Tod des letzten Bogeners neben dem immensem Landbesitz der Donaugrafschaft auch das Rautenwappen zu. Bis heute ist es Bestandteil des Landkreis-Wappens und des Bayerischen Staatswappens.
 
Im wittelsbachischen Bayern entstehen neue Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen deren Weiterentwicklung im 19. Jahrhundert zu den Grundlagen der heutigen Landkreise führen.
 
(Karl Böhm †)