Stellungnahme zum Thema zivil-militärische Zusammenarbeit in Bezug auf die Kreisklinik Bogen
Die jüngsten (öffentlichen) Diskussionen und Vorschläge um eine zivil-militärische Zusammenarbeit nach dem Vorbild einer Kooperation zwischen der Ammerlandklinik in Westerstede (Niedersachsen, Landkreis Ammerland) mit dem dortigen Bundeswehrkrankenhaus als Pilotprojekt für Bayern und zum Erhalt der Klinik Bogen machen es nötig, über ein paar Hintergründe zu informieren.
Grundsätzlich ist die Möglichkeit der zivil-militärischen Zusammenarbeit für die künftige Klinikversorgung, gerade unter der aktuellen weltpolitischen Lage und zur Vorbereitung auf künftige Krisensituationen, ein Weg den man – auch im Hinblick auf die künftige Ausrichtung von Grund- und Regelversorgungskliniken wie in Bogen – verfolgen muss. Genau dies wird auch im Landkreis Straubing-Bogen seit längerer Zeit getan. So findet sich hierzu auch im Gutachtenauftrag für das bevorstehende Regionalgutachten zur künftigen Klinikversorgung in der Region Straubing-Bogen ein umfassender Punkt zum Thema Katastrophenfall, auch unter dem Aspekt der zivil-militärischen Zusammenarbeit. Dieser Punkt wurde, initiiert durch Landrat Josef Laumer und explizit unterstützt vom Verwaltungsrat und des Vorstandes der Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf, in den Gutachtenauftrag mit aufgenommen. Dies geschah insbesondere im Hinblick auf eine künftige Bedarfsnotwendigkeit der Klinik Bogen im Krisenfall. Das Gutachten wird hierzu Erkenntnisse liefern.
Zudem hat die Bayerische Krankenhausgesellschaft im Jahr 2025 eine Projektgruppe zum Thema zivil-militärische Zusammenarbeit ins Leben gerufen. In dieser Projektgruppe sind neben der stellvertretenden Geschäftsführerin der Bayerischen Krankenhausgesellschaft und Vertretern des Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention auch mehrere Klinikverantwortliche vertreten. Darunter auch die stellvertretende Vorständin der Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf, Frau Nannette Baumann, die sich im Auftrag des Kommunalunternehmens mit diesem Thema beschäftigt. Die Projektgruppe tagte im Jahr 2025 zweimal, es gab hierzu – genauso wie bei anderen künftigen klinischen Versorgungsformen wie z.B. „SÜV“ noch keine konkreten Ansatzpunkte und Lösungsvorschläge, wie die zivil-militärische Zusammenarbeit flächendeckend im Zusammenspiel zwischen den einzelnen verantwortlichen Ministerien und im Zusammenspiel zwischen Bund und Ländern ausgestaltet und vor allem umgesetzt werden könnte.
Um die Unterschiede zwischen der Kooperation der zivilen Ammerlandklinik in Weststede mit dem Bundeswehrkrankenhaus Westerstede und der Situation hier vor Ort im Landkreis Straubing-Bogen zu verstehen, hier noch ein genauer Blick auf den Fall des Musterbeispiels: Die dort etablierte zivile Ammerlandklinik ist ein Schwerpunktversorgungshaus mit 404 Betten, vergleichbar mit dem medizinischen Spektrum, Ausstattung und Größe des Klinikum Straubing. Es besteht seit 2008 eine Kooperation mit dem Bundeswehrkrankenhaus, welches örtlich direkt an die Ammerlandklinik angedockt ist. Für den süddeutschen Raum wäre das der Klinik Bogen nächstgelegene Bundeswehrkrankenhaus in Ulm – und damit ca. 275 km entfernt.
Das Bundeswehrkrankenhaus Westerstede stellt mit zehn medizinischen Fachdisziplinen und über 800 Mitarbeitern ein gesundheitliches Kompetenzzentrum der Streitkräfte für den gesamten nordwestdeutschen Raum dar. Es ist fest in das Gesundheitsnetz des Ammerlandes integriert und steht mit seinen ambulanten, stationären und rehabilitativen Bereichen sowohl zivilen als auch militärischen Patienten offen.
Daraus kann man entnehmen, dass sowohl die zivile Ammerlandklinik, als auch das Bundeswehrkrankenhaus die komplette medizinische Versorgung anbieten. Die Kooperation besteht darin, dass die beiden Kliniken, die an einem Campus zusammengeschlossen sind, die bestehende medizinische Infrastruktur, wie z.B. OP-Säle, Intensivstation, Anästhesie, etc. und auch die bestehende nicht-medizinische Infrastruktur, wie z.B. Essensversorgung, Haustechnik und Instandhaltung gemeinsam nutzen.
Dies zeigt deutlich, dass die Voraussetzungen am Standort der Kreisklinik Bogen im Kontext der aktuellen Diskussion um eine zivil-militärische Zusammenarbeit nicht vergleichbar sind mit jenen der Ammerlandklinik und hier für diesen Bereich individuell andere Lösungen gefunden werden müssen. Es bedarf umfassend abgestimmter Rahmenbedingungen und passgenauer Lösungen für die jeweiligen regionalen Gegebenheiten. Die Verantwortlichen des Landkreises und die Klinikverantwortlichen verfolgen bereits lange bevor diese Thematik nun von dritter Seite aufgenommen wurde – und auch weiterhin - mit Nachdruck das Thema der zivil-militärischen Zusammenarbeit.