Ansicht des Landratsamtes mit Schriftzug und Treppe

„Keine Zwangsheirat, sondern eine Liebesheirat“

10.09.2019 Kreiskinderhaus ging zum 1. September in neue Trägerschaft über: „Abschiedsbesuch“ des Landkreises

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Trotz Abschied nehmen fällt nicht immer leicht. Und so war auch der „Abschiedsbesuch“ von Landrat Josef Laumer im bisherigen Kreiskinderhaus, das am 1. September in die Trägerschaft des Thomas-Wiser-Hauses (Regenstauf) überging, von viel Wehmut geprägt.

„Es fällt mir nicht ganz leicht“, betonte der Landrat im Gespräch mit den Mitarbeiterinnen. Und das war Josef Laumer auch anzusehen. Doch über der wehmütigen Stimmung lag gleichzeitig auch der Blick nach vorne – und der ist durchweg positiv. „Wir sind sehr froh, dass es keine Zwangsheirat war, sondern eine Liebesheirat“, meinte Leiterin Andrea Semmelmann mit Blick auf den neuen Träger. „Ich bedanke mich beim Landkreis, dass wir eingebunden wurden und auf unsere Meinung gehört wurde.“ Etwas, das auch für Landrat Josef Laumer höchste Priorität hatte. „Es gab viele Gespräche mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und der gesamte Prozess wurde sehr offen und transparent gestaltet.“ Dies konnte auch der Personalratsvorsitzende Alexander Penzkofer nur bestätigen. „Alles ist gut über die Bühne gegangen.“

Bereits im Juli 2018 hatte der Kreisausschuss den Beschluss gefasst, dass das Kreiskinderhaus nicht weiter vom Landkreis betrieben und an einen anderen Betriebsträger übergehen soll. Der Landkreis überprüft in regelmäßigen Abständen seine Aufgaben auf Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit. Hierbei geht es auch darum, ob private Einrichtungen und Träger bestimmte Aufgaben nicht mindestens genauso gut erledigen können, wie die öffentliche Hand. Da der Betrieb des Kreiskinderhauses keine Pflichtaufgabe des Landkreises darstellt, hat man sich im Rahmen dieser Überlegungen zur Übertragung der Betriebsträgerschaft auf einen anderen Träger entschieden. Zumal der Landkreis Straubing-Bogen der letzte Landkreis in Bayern war, der noch eine Jugendhilfeeinrichtung betrieben hat. Bei einem folgenden Interessenbekundungsverfahren hatten sich mehrere Interessenten um die Trägerschaft beworben, die Entscheidung des Kreisausschusses fiel letztendlich auf die Dechant-Wiser-Stiftung.

In einem waren sich am Montag sowieso alle einig: Es geht um die Kinder. „Wie bisher werden diese an erster Stelle stehen“, machte Franz Raschof vom Thomas-Wiser-Haus deutlich. Kann man die Verbindung von Thomas-Wiser-Haus und bisherigem Kreiskinderhaus als Liebesheirat bezeichnen, so gilt auch für die „Scheidung“ vom Landkreis eine höchst gütliche Einigung. „Ich bedanke mich im Namen aller Mitarbeiter beim Landkreis. Wir haben uns immer sehr gut aufgehoben gefühlt und der Landkreis hat dafür gesagt, dass es den Kindern und Jugendlichen immer gut gegangen ist und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stets beste Arbeitsbedingungen hatten“, fand Andrea Semmelmann lobende Worte. Da mischte sich dann in die Wehmut von Landrat Josef Laumer auch eine gehörige Portion Stolz und Dankbarkeit. Und mit einem Schmunzeln meinte er: „Wir werden uns sicher auch weiterhin gegenseitig besuchen.“ Das nächste Mal zum Beispiel schon am 11. Oktober. Da stellt sich der neue Träger nämlich bei einem offiziellen Einweihungsfest mit einem Tag der offenen Tür auch der Öffentlichkeit vor. Das gute Klima beim Übergang wird übrigens auch dadurch deutlich, dass von den bisher 34 Beschäftigten nur zwei auf eigenen Wunsch ausgeschieden sind. Der Rest hat entweder den Übergang zum Thomas-Wiser-Haus mitgemacht oder verbleibt beim Landkreis. „Das ist wahrlich nicht alltäglich in so einem Fall“, freute sich auch Franz Beyerl von der Haupt- und Personalverwaltung am Landratsamt über den geräuschlosen Übergang.

Nahtlos ging und geht deshalb auch die Arbeit in der Donaugasse in Straubing weiter – eben nur unter neuer Trägerschaft. „Denn diese Arbeit ist wichtig für die Kinder und Jugendlichen und für unsere Zukunft“, so Josef Laumer. „Deshalb war es mir auch ein Bedürfnis heute mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Verwaltung noch einmal vorbeizuschauen.“ Und dass dieser auch weiterhin immer ein gern gesehener Gast ist, machte Franz Raschof nachdrücklich deutlich. Und auch das letzte kleine Problemchen dürften die Mitarbeiterinnen bald in den Griff bekommen. „In der ersten Woche haben wir uns am Telefon zumeist immer noch mit Kreiskinderhaus statt Thomas-Wiser-Haus gemeldet, weil wir das einfach so drin hatten“, meinten einige von ihnen lachend. Abschied nehmen ist eben manchmal auf vielen Ebenen nicht ganz einfach.

Foto: Franz Raschof (Thomas-Wiser-Haus), Franz Beyerl (Stellvertretender Leiter der Haupt- und Personalverwaltung am Landratsamt), Landrat Josef Laumer, Andrea Semmelmann, Silke Raml (Kreiskämmerin) und Alexander Penzkofer (Personalratsvorsitzender, von links) beim „Abschiedsbesuch“.

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