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Biodiversitätsberatung am Landratsamt: Nisthilfen für Wildbienen

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21.04.2021 Tipps zum Anlocken zahlreicher Bewohner

Inzwischen werden in vielen Gärten Insekten-Nisthilfen bestückt mit Halmen und Totholz für Wildbienen und Co. angeboten. Oft werden die im Handel erhältlichen „Insektenhotels“ voller Erwartung über einen schnellen und sichtbaren Erfolg angebracht. Wenn sie nicht so gut wie erhofft angenommen werden, kann die Enttäuschung entsprechend groß sein. Für das Ausbleiben von Bewohnern gibt es aber meist gute Gründe.

Von dreiviertel unserer heimischen Wildbienen werden die Nisthilfen gar nicht angenommen, da die Arten ausschließlich im Boden nisten. Sie suchen nach offenem Boden und lockerer Erde, in die sie ihre Nistgänge und Bruthöhlen graben können wie etwa Sandbienen oder nach Kleinsäugerbauten, die sie als Nachmieter besiedeln. Erdhummelköniginnen nutzen beispielsweise verlassene Mäusebauten zur Gründung neuer Kolonien. Oberirdisch nistende Arten kann man mit zusätzlichen Nistmöglichkeiten unterstützen und in den eigenen Garten locken. Neben der Nisthilfe selbst, brauchen die Wildbienen aber zusätzlich ein reichliches Angebot an wertvollen heimischen Pollenspendern in unmittelbarer Nähe. Besonders wichtige Pflanzenfamilien sind Korb-, Schmetterlings-, Kreuz- und Lippenblütler. Im Idealfall beträgt der Abstand zwischen Nistplatz und Nahrungspflanze nicht mehr als 200 bis 300 m, besser weniger. Auf langen Flugstrecken wird nämlich zu viel Energie verbraucht, weshalb Nisthilfen ohne ein entsprechendes Nahrungsangebot für Wildbienen praktisch keinen Nutzen haben.

Auch beim Bestücken der Nisthilfen und den verwendeten Materialien gibt es einiges zu beachten. Ein Hauptbestandteil vieler Nisthilfen sind markige oder hohle Pflanzenstängel. Markgefüllte Stängel schneidet man am besten auf eine Länge von 50 bis 100 cm. Besonders gut eignet sich Brombeere. Die Stängel sollten nicht gebündelt, sondern einzeln und vertikal stehend angeboten werden. Waagerecht angeordnete Stängel werden kaum besiedelt. In der Natur suchen die Sechsbeiner nach Bruchstellen an abgeknickten Stängeln, um ins Mark zu gelangen. Im Falle der Nisthilfen dienen die Schnittstellen als Eingangspforte in die Halme. Einzig die Dreizahn-Mauerbiene kann sich auch direkt durch die zähen Stängelwände nagen. Da die meisten Wildbienen-Arten sehr klein sind, sollte der Innendurchmesser hohler Halme nicht mehr als 10 mm aufweisen. Optimalerweise sind die Öffnungen 3 bis 9 mm groß. Denn die Wildbienen verschließen die Zugänge nach dem Ablegen ihrer Brut zum Schutz vor Fressfeinden, Krankheitserregern und Parasiten.

Fast alle Halme dieser Nisthilfe wurden belegt. Sie haben unterschiedlich große Öffnungen, wodurch sie für eine Vielzahl verschiedener Wildbienenarten als Nistplatz infrage kommen. (Quelle: Hans Niedernhuber)
Eine Wildbiene verdeckelt ihre Brutröhre zum Schutz ihres Nachwuchses. In einem unbeobachteten Augenblick legen etwa Kuckucksbienen vor dem Verschluss der Wildbienenhöhle noch schnell ihr eigenes Ei dazugelegt. Ihre Nachkommen leben parasitär im Wildbienennest. (Quelle: Ralph Sturm)
Auch Solitärwespen kann man gelegentlich an Nisthilfen beobachten. Die gemeine Goldwespe parasitiert in Larvenkammern von Wildbienenarten. (Quelle: Ralph Sturm)

Umso größer die Öffnungen, umso mehr Baumaterial, Zeit und Energie verbrauchen sie. Auch gesplitterte oder ausgefranste Halme werden gemieden, da den Wildbienen hier Gefahr für ihre zarten Flügel droht. Feine, weiche Fasern am Halmrand (z.B. bei Schilfhalmen) verhindern die Besiedelung hingegen nicht. Es muss also nicht alles glatt abgeschliffen werden. Die scharfkantigen und zudem sehr großen Öffnungen von Lochziegeln machen sie als Nistplatz für Wildbienen ebenso ungeeignet. Arten, die natürlicherweise in Käferfraßgängen in Totholz nisten, nehmen alternativ gerne Hölzer mit unterschiedlich großen Bohrungen an.

Hornissen finden sich manchmal an Totholz in Nisthilfen ein. Sie verwenden es als Baumaterial für ihre Nester. (Quelle: Ralph Sturm)

Geeignete Hölzer sind ausschließlich Harthölzer wie Esche, Buche oder Eiche. Weichhölzer wie Fichte, Kiefer oder Weide neigen bei feuchter Witterung zum Ausfransen an den Bohrlöchern. Auch hier können die Flügel der Wildbienen verletzt werden oder durch Verharzungen im Inneren der Gänge verkleben. Die Bohrungen sollten zudem immer im rechten Winkel zur Holzfaser erfolgen. Statt der typischen Holzscheiben sollten also gut abgelagerte Hartholzklötze oder Baumstämme im Längsformat ausgewählt werden. Eine dünne, glatte Borke wie bei Buche oder Zierkirsche kann am Holz verbleiben. Ist eine dicke Borke vorhanden, sollte sie entfernt und der Stamm außen mit einem Schleifgerät glatt geschmirgelt werden. Auf Kiefernzapfen, Stroh und Borkenstücke als Überwinterungshilfen kann getrost verzichtet werden, da sie die erwünschte Wirkung komplett verfehlen.

Als Negativbeispiel eine Holzscheibe mit Bohrungen in Richtung der Holzfaser und mit sichtbar tiefen Rissen. (Quelle: Hans Niedernhuber)
Als Positivbeispiel Holzklötze mit Bohrungen im rechten Winkel zur Holzfaser. Schon im ersten Jahr werden die Brutröhren angenommen und sind gut belegt. (Quelle: Hans Niedernhuber)

Vernünftig konzipierte Nisthilfen bestehen also aus Naturstrohhalmen, Schilf oder Hartholzblöcken mit Bohrungen verschiedenen Durchmessers. Hier tummeln sich erfahrungsgemäß schnell eine Vielzahl von Bewohnern - vorausgesetzt, dass sie ein passendes Umfeld mit vielen einheimischen Blütenpflanzen vorfinden.

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