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Botanische Besonderheiten

26.05.2021 Heimische Orchideen im Landkreis Straubing-Bogen

Verschiedenen Knabenkräuter, die zu den heimischen Orchideen gehören, haben in den letzten Wochen verstreut über den Landkreis Straubing-Bogen geblüht oder stehen gerade noch in voller Blüte. Daher ist es an der Zeit ein paar dieser seltenen Schönheiten vorzustellen. Einige Knabenkräuter sind auch auf Pflegeflächen des Landschaftspflegeverbandes (LPV) Straubing-Bogen zu finden.

Das Holunder-Knabenkraut blüht sowohl weiß als auch rot. Beide Varianten können auf einer Pflegefläche des LPV nebeneinander wachsend vorgefunden werden. (Foto: Martina Kiermaier)
Das Holunder-Knabenkraut blüht sowohl weiß als auch rot. Beide Varianten können auf einer Pflegefläche des LPV nebeneinander wachsend vorgefunden werden. (Foto: Martina Kiermaier)

„Im nördlichen Teil des Landkreises ist das Holunder-Knabenkraut, das Kleine Knabenkraut und das Breitblättrige Knabenkraut auf einer einzigen Fläche vertreten. Im Süden blüht gerade das Brand-Knabenkaut“, freut sich Ambros Köppl vom LPV über die diesjährigen Nachweise. Orchideen zu pflücken, auszugraben oder anderweitig zu zerstören ist verboten, da alle in Deutschland vorkommenden Arten streng geschützt sind. So auch das Brand-Knabenkraut, welches auf der Roten Liste als gefährdet geführt wird. Es wächst bevorzugt auf mageren und extensiven Wiesen oder Weiden.

Sein charakteristische Aussehen hat dem Brand-Knabenkraut seinen Namen eingebracht. Im geschlossenen Zustand erscheinen die Blütenknospen rotschwarz und erwecken so den Eindruck eines „angebrannten“ Blütenstandes. (Foto: Martina Kiermaier)

Der Flächenverbrauch durch Bebauung, eine Intensivierung der Wiesenbewirtschaftung durch zu häufiges Mähen bzw. Düngung, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sowie die Nutzungsaufgabe von Wiesenflächen haben zu einem dramatischen Rückgang des Brand-Knabenkrauts geführt. „Auf unseren Pflegeflächen wurde die Bewirtschaftung an die Bedürfnisse der Orchideen angepasst, um so ihren Bestand zu sichern“, erklärt Ambros Köppl weiter. Der Landschaftspflegeverband mäht seine Orchideenwiesen je nach Standortbedingungen ein- bis zweimal jährlich, nachdem die Pflanzen ihre Kapseln öffnen und ihre Samen ausbreiten konnten. Davon produzieren Orchideen unzählige. Die winzigen Samen, die im Gegensatz zu den Samen der meisten anderen Pflanzen kaum oder kein Nährgewebe besitzen, sind zur Keimung auf die Symbiose mit einem Wurzelpilz angewiesen. Das Breitblättrige Knabenkraut braucht zudem ausreichend Feuchtigkeit, um sich zu vermehren. Die früher auf feuchten und nassen Standorten weit verbreitete Orchidee wird mittlerweile als gefährdet eingestuft. Durch fehlende Niederschläge im zeitigen Frühjahr kommt es zu einer Austrocknung ihrer Wuchsorte. Bei zu geringer Wasserversorgung kann das Breitblättrige Knabenkraut aber nicht zur Blüte und Fruchtreife kommen. Deshalb kann die Art auch als Indikatorart für den Klimawandel dienen. Über ihre Bestandsentwicklungen können die Auswirkungen des Klimawandels auf Nass- und Feuchtwiesenstandorte sichtbar gemacht werden.

Beim Breitblättrigen Knabenkraut handelt es sich um eine typische Feuchtgebietspflanze. Sie braucht ausreichend Niederschläge oder grundwasserversorgte Standorte, um sich vermehren zu können. (Foto: Ambros Köppl)

Der Schutz der Orchideen kann nur gelingen, wenn ihre natürlichen Wuchsorte erhalten bleiben. Indirekt werden so auch weitere seltene Pflanzen- und Tierarten der jeweiligen Lebensräume unter den „Schirm“ des Orchideenschutzes gestellt. Damit kommt den Orchideen eine besondere Schlüsselfunktion zu. Um ihre Restbestände dauerhaft zu erhalten, ist eine angepasste Pflege ihrer Wuchsorte unbedingt erforderlich. Ein Instrument der Naturschutzverwaltung in der Praxis ist das Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) Offenland. Landwirte mit schützenswerten Arten auf ihren Wiesen und Weiden – wie etwa Orchideen – bekommen für ihre Anstrengungen zum Schutz unserer Kulturlandschaft eine Honorierung ausgezahlt. Nähere Informationen zum VNP Offenland erhalten Sie beim Landschaftspflegeverband Straubing-Bogen (Tel. 09421/973-530) oder bei der Biodiversitätsberatung am Landratsamt Straubing-Bogen (Tel. 09421/973-306).

Kategorien: Landratsamt, Biodiversitätsberatung